Leere Stille vs volle Stille

Stille. Es gibt eine leere Stille. Und es gibt eine gefüllte Stille. Doch was ist der Unterschied?
In einer leeren Stille erzeugen wir in uns einen offenen Raum, in dem Gedanken ungefiltert herumtanzen können. Und in diese Leere kommen am liebsten diese Gedanken, die wir sonst wegschieben würden: Habe ich den Herd angelassen? Ist der Hund gefüttert? Was steht heute noch an? Hätte ich in irgendeiner Situation anders handeln können? Warum habe ich das nur gemacht?! Ich bin ein Versager! Ich bin ein schlechter Mensch. Die Welt wäre ohne mich viel besser dran.
Die Angst vor diesen Gedanken verleitet uns dazu, ohne Ruhe durch den Alltag zu jagen und die Stille zu vermeiden. Dadurch sind wir erschöpft, mutlos und auf der Flucht. Und irgendwann brechen die Gedanken, vor denen wir weggelaufen sind, wie Wellen über uns zusammen. So beginnen wir uns vor de Stille zu fürchten.

Aber wir brauchen Ruhe und Stille, um uns zu regenerieren. Und, um uns selbst zu begegnen. Was wir brauchen, ist die gefüllte Stille. In der gefüllten Stille sind wir eins mit uns selbst. Wir befinden uns im Jetzt und füllen uns zur Gänze aus. Der Alltag und die Herausforderungen des Lebens treten in den Hintergrund. In dieser gefüllten Stille ist kein Raum für flüchtige Gedanken. Denn sie ist angefüllt mit Zufriedenheit, Akzeptanz und Einheit mit sich selbst. Ich genieße die Natur. Der Wind tut so gut. Die Welt ist schön. Meine Entscheidungen haben Gründe. Ich bin wertvoll. Ich habe ein Recht darauf, glücklich zu sein. Es ist okay.

In dieser gefüllten Stille verbinden wir uns mit uns und der Welt. Vor allem aber verbinden wir uns mit dem Licht, das tief in uns ist. Manchmal ist dieses Licht von Erfahrungen und Alltag verschüttet. Und wir sind sicher, dass es nicht existiert – vielleicht sogar nie existiert hat. Aber es ist da. Und wenn wir in die volle Stille treten, verbinden wir uns mit diesem Strahlen. Für die Zeit dieser Verbindung vergessen wir, mit uns, unserem Leben und der Welt unzufrieden zu sein. Und wir spüren, dass es in Ordnung ist. Irgendwann lernen wir dann, den schweren Gedanken etwas entgegen zu setzen: Ich bin es wert, geliebt zu werden. Ich darf glücklich sein. Meine Bedürfnisse sind richtig. Zunächst schmerzen diese Sätze, denen die Sehnsucht danach, sie zu hören, ist zu groß. Aber nach und nach gelingt es doch, sich mit der tief verschütteten Überzeugung zu verbinden, dass wir glücklich sein dürfen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert