18.-19.04.2026 – Ritterfest Schloss Berlepsch

Ich freue mich sehr, im April Teil des Rittercup auf Schloss Berlepsch zu sein. Leider wird dies eines der letzten Male sein, in denen ich Gast auf diesem wunderbaren Schloss bin, da es bald seine Tore schließen wird. Doch das ist ein Grund mehr, dass ich mich darauf freue, zurück zu kehren und es zu genießen.

18.04.2026
Da ich für die Besucher in meinem geliebten Sommersalon so schwer zu finden bin,
war mein Platz dieses Mal direkt am Eingang der Burg. Ich richtete mir meine
Leseoase gar kuschlig ein. Die mit Kissen gefüllten Jutesäcke waren bequeme
Sitzmöglichkeiten und keiner kam an meiner kleinen Ecke vorbei.
Neben der schönen Nische hatte ich offizielle Lesungstermine auf der Bühne.
Ich fühlte mich gleich wieder so unglaublich wohl und wertgeschätzt.
Die Crew von Berlepsch ist und bleibt einfach großartig.

Bei meiner ersten Lesung waren noch nicht viele Gäste da, denn der RitterCup
hatte gerade angefangen und war in dem Feld vor dem Schloss. Trotzdem waren
die Bänke vor der Bühne gut gefüllt. Es war fast wie ein Luftholen und Ankommen
der Schausteller, bevor der große Ansturm beginnt. Und es war wunderbar.
Ich las "Das ewige Gemälde" und es kam sehr gut an. Dabei durfte ich das Mikro
nutzen, die die Band Saltatio Draconum aufgebaut hatte. Eine wirklich tolle
Musikertruppe, mit denen sich auf diesem Fest ein warmes Miteinander bildete.
Ich muss aber doch ehrlich zugeben, dass mein persönliches Highlight dieser
Lesung war, dass meine Familie dabei war und mein Kind sich so freute,
mich zu sehen, dass es direkt zu mir gelaufen kam. Und wie es sich bei den
spannenden Stellen an die Oma kuschelte, weil es seine Mama so gruselig
gar nicht kennt.

Dann ging ich mit meiner Familie zu meiner kleinen Nische und wir unterhielten
uns etwas, bis sie alle das Fest erkundeten. Meine Familie war zurecht
begeistert von Berlepsch und dem Fest. Und ich sah sie nur noch alle paar
Stunden, wenn sie vorbei kamen, um mich nach meinem Befinden zu fragen
und gleich wieder von dannen zu ziehen, um Schloss und Rittertunier weiter zu
erkunden. Ja, der RitterCub von Schloss Berlepsch ist wirklich
für die ganze Familie.

Ich derweil las in meiner Nische immer mal wieder Märchen vor und hatte schöne
Begegnungen. Die erste war ganz am Anfang, als ich noch am Aufbauen war, und
einer der Schlossführer mich ansprach. Er fragte, ob ich mit dem
Berlepsch-Märchen zu tun hatte, was ich bejahte.
Er sprach sehr wohlwollend über die Geschichte, was mich sehr freute,
und meinte sogar, dass er das Märchen bei den Führungen einflechten würde.
Was gibt es für eine größere Ehre und Bestätigung, als dass ein Kunstmärchen
zur Lore einer Burg wird? Ich finde das wunderbar.

Ich las an dem Tag "Der zauberhafte Silbersee" vor. Wobei das gar nicht so stimmt.
Eines der drei Mädchen, die sich zu mir in meine Nische gesellt hatten,
wollte es selbst vorlesen. Ich übernahm zwischendrin, aber es war echt schön
zu sehen, wie sie es sich zu Eigen machte. Und es geht ja nicht nur darum,
dass ich vorlese. Es ist auch wunderbar, wenn die Gäste selbst schmökern.

Und für die die nächste Bühnenlesung wählte ich "Goldregen". Ich hatte Lust
auf die gruselig-lustige Begegnung von Goldregen und dem Teufel und auch
die Zuhörer wollten ein eher unheimliches Märchen hören. Im nachhinein muss
ich aber doch zugeben, dass das wohl keine gute Wahl für die Bühne war.
Denn all das Leid und das von dem Protagonisten erlebte Trauma, das zu der
Begegnung mit dem Teufel führt, war doch intensiver, als ich es bei einer
großen Zuhörergruppe verantworten kann. Ich bedaure diese Wahl. Ich hätte
an dieser Stelle ein schöneres Setting schaffen können und sollen.

Weiterhin lies ich in meiner kleinen Nische mit Einzelpersonen doch die Märchen
"Die schlaflose Prinzessin", "Die verwunschene Blume" und
"Die unscheinbare Fee" vor, wobei letzteres Märchen leider abgebrochen wurde,
weil das Paar in Zeitdruck kam und weiter musste. Das ist halt leider der
Nachteil, wenn es ein so wundervolles Fest gibt, bei dem so viel erkundet
werden kann: Die Zeit ist nie genug. Und es fällt schwer, sich auf ein Angebot
einzulassen - vor allem, wenn es eine Märchenlesung ist, die doch etwas mehr
Zeit beansprucht. Die Angst, etwas zu verpassen ist unserer heutigen
Gesellschaft leider zu sehr ins Blut übergegangen. Aber das ist ja einer
der Gründe, warum es meine Märchen überhaupt gibt: Nimm dir eine Pause und
begegne dir in einer Geschichte selbst, egal, was die Welt um dich herum
gerade von dir will. Und Leute, die sich auf diese Begegnungen einlassen
erfreuen mich immer sehr.

Eine der eindrücklichsten Begegnungen dieses Tages war ein kleiner Junge,
der einen Moment vor meiner Nische stand und mich unsicher anschaute.
Dann lief er weg und kam ein paar Minuten später mit seiner Mutter zurück.
Diese zeigte sich sehr erfreut, mich mal wieder zu sehen und erzählte, dass
sie mir vor einigen Jahren schon mal begegnet waren und damals eines meiner
Märchen gekauft hatten. Sie erzählte, dass "Das zerbrochene Herz" bei ihnen
immer noch tief geliebt und regelmäßig gelesen wurde. Das hat mich so gefreut.
Der Junge setzte sich dann zu mir und schmökerte ein bisschen. Seine Mutter
fragte, welches Märchen ich ihrem Sohn dieses Mal empfehlen würde. Ich hatte
bemerkt, dass er sich eher ernste Märchen angeschaut hatte. Darunter auch
"Das Mädchen im Schatten". Das ist eines meiner eher düsteren Märchen,
in dem es um Angst und ihre Überwindung geht. Bei dieser Art Märchen bin ich
immer eher vorsichtig, sie zu empfehlen, weil es schwer einzuschätzen ist,
wie Leute mit etwas umgehen, was vor der Lösung in die Dunkelheit führt.
Aber bei ihm war es stimmig. Und unter dem Aspekt, dass er sich das Buch gleich
schnappte, es zu lesen begann und es nicht mehr aus der Hand legte, gehe ich
schon ein bisschen davon aus, dass es bei ihm gut aufgehoben ist.

Eine weitere amüsante Begegnung war, als ein paar Leute um mich herum standen
und ich meine Gabe genutzt habe, jedem sein Märchen zu empfehlen. Ich liebe es,
das zu tun. Und ich liebe es, in die Gesichter zu sehen, wenn die Leute sich
gesehen fühlen. Und - um ganz ehrlich zu sein - ich liebe es auch, dass es mir
einen leicht unheimlichen Flair verleiht, Leute, die ich nicht kenne, doch so
gut einschätzen zu können. Dabei kann ich oft selbst nicht ganz den Finger
drauf legen, warum ich zu bestimmten Personen bestimmte Märchen assoziiere.
Einer Person empfahl ich "Die Scherbensammlerin". Sie schaute es sich an,
zeigte es ihrer Freundin, flüsterte halblaut, dass das Märchen zu ihr
passen würde wie die Faust aufs Auge und entfernte sich dann mit einem Lächeln
und den Worten "das ist mir etwas zu unheimlich" von meiner Nische.
Natürlich finde ich es schade, dass ich sie nicht dazu begeistern konnte,
sich näher darauf einzulassen. Aber sie weiß jetzt ja, wo sie das Märchen
findet, wenn sie das später doch noch nachholen möchte.

19.04.2026
Während am Vortag wunderbares Wetter war und der Andrang auch entsprechend groß,
war der zweite Tag eher schlecht besucht und hatte stets die lauernde
Bedrohung eines Regenschauers. Auch zog die Bändchenkontrolle zu mir in diese
wunderbar überdachte und trockene Nische. Mein Platz zeigte wieder, dass er
großartig war ... aber leider war es nun noch schwerer, Leute dazu einzuladen,
bei mir Rast zu machen und sich ein Märchen anzuhören.
Aber das machte mir nichts. Die Kollegin bei der Bändchenkontrolle hatte
Vergnügen daran, meine Märchen zu hören und ein Freund von mir kam vorbei.
Wir machten uns also eine gute Zeit. Ich lies an diesem Tag sehr viel vor.
Aber die Begegnungen waren merklich weniger geworden. Die Begegnungen aber,
die stattfanden, waren wieder sehr schön und wertvoll.

Da das Wetter drohend über dem Fest schwebte, hatte die Veranstaltungsleitung
sich entschieden, dass meine Lesungen doch wieder im Sommersalon statt finden
sollten. Oh, ich liebe diesen Raum. Er hat eine ganz eigene Atmosphäre.
Diese Stille und Bedächtigkeit und Besinnlichkeit, die mich umfängt, wenn ich
dort bin, ist einfach bemerkenswert. Ich verstehe schon, warum dieser Raum für
Trauungen verwendet wird. Für die Lesungen ist er nach wie vor großartig
geeignet. Aber natürlich ist es schwer, dort einfach mal vorbei zu kommen, wenn
man nicht gezielt zu einer Lesung möchte und den Raum sucht. So wie die Familie,
die mich in meiner Nische ansprach, ob ich wüsste wo die erste Lesung ist
und dann mit mir zusammen hin gegangen ist. Das war voll knuffig. Ich las
bei der ersten offiziellen Lesung dieses Tages "Die kleine Tänzerin" vor.
Es waren ein paar Kinder da, von denen nicht alle die gesamte Geschichte
blieben. Aber die drei, die mit mir hinauf gekommen waren, blieben bis zum
Ende, genossen es und begleiteten mich dann auch wieder hinab zu meiner Nische,
um gleich noch ein weiteres Märchen zu hören. Da fiel die Wahl auf
"Das zerbrochene Herz". Direkt danach setzte sich ein Junge zu mir, der auch
ein Märchen hören wollte. Auch seine Wahl fiel auf "Das zerbrochene Herz".
Leider bemerkte ich schnell, dass der Junge nicht wirklich da war. Er war
abgelenkt und hörte nicht richtig zu. Dies steigernte das Stressniveau der
Mutter ebenfalls sichtbar. Also entschloss ich mich kurzerhand, das Märchen
im Prozess des Vorlesens zu kürzen. Manchmal mache ich sowas, wenn ich meine
Märchen vorlese. Und kurz bevor die Mutter besorgt fragen wollte, ob das
Märchen noch lang ist, war ich am Ende angekommen und die beiden konnten weiter.
Ich liebe es, meine Märchen unter die Leute zu bringen. Es tut mir gut, wenn
sie wohlwollend empfangen werden. Aber ich zwinge auch niemanden, über seine
Grenzen zu gehen. Jeder darf selbst wählen, wann, wie und in welchem Rahmen
er dieses Angebot von mir annehmen möchte. Das ist mir wichtig.

Für die nächste Lesung las ich der Kollegin von der Bändchenkontrolle ein
Märchen vor, von dem ich dachte, dass es zu ihr passt. Meine Wahl fiel auf
"Das verborgene Licht". Wir hatten eine gute Zeit und es kamen und gingen Leute,
die mithörten oder nicht. Natürlich zeigte sich an dieser Stelle, dass mein
Standort - sei er auch noch so zentral - sehr unruhig ist und zu sehr im Strom
der Bewegung, dass das Angebot der Ruhe etwas zu kurz kommt.

Bald war die Zeit der zweiten offiziellen Lesung: "Die schlaflose Prinzessin".
Sie fand wieder im Sommersalon statt und eine Familie leistete mir Gesellschaft.
Und ein Freund von mir, der mich besuchen wollte, um mir zu helfen -
und um meine Märchen zu hören. Er sprach sich nach der Lesung sehr für
meine Märchen aus und erzählte der Familie, dass er jedes meiner Märchen
großartig fände. Es tut so gut, diese wohlwollende Unterstützung in der
direkten Umgebung zu haben und ich bin sehr dankbar, dass ich so viele
liebe Menschen habe, die mich und meine Märchen unterstützen und schätzen.

Der Freund begleitete mich zu meiner Nische und wir fuhren fort, Märchen zu
lesen. Ich las an dem Tag noch viel vor. Zuerst "Der Wunderbaum".
Dann kam ein Mann vorbei, der meine Nische betrachtete. Als ich ihn ansprach
und einlud, sich zu mir zu setzen und zu schmökern, meinte er, dass er
Märchen liebt und bereits alle kennen würde. Na, wenn das mal keine Einladung
war. Ich bot ihm eine Wette an, dass ich ein Märchen finden würde, dass er
noch nicht kennt. Wenn ich Recht hätte, dann bliebe er noch ein bisschen bei
mir sitzen und wir würden uns weiter über Märchen unterhalten. Er stimmte zu.
Und natürlich hatte ich mit meiner Einschätzung recht. Das ist aber kein
Kunststück, wenn man bedenkt, dass meine Märchen noch nicht so bekannt sind.
Im Moment haben sie halt eher den Status von Geheimtipps für Märchenliebhaber.
Der Mann blieb also noch eine Weile und ich las ihm das Märchen
"Vom Geheimnis der Zeit" vor. Er kannte es nicht, schien es aber sehr zu mögen.

Bei der nächsten Lesung - "Der zauberhafte Silbersee" verließen meine
kindlichen Zuhörer meine Nische, bevor das Märchen zu Ende war. Dafür hatte
sich eine Frau zu mir gesetzt. Irgendetwas an ihr weckte bei mir den Wunsch,
ihr unbedingt "Die ewigen Momente" vorlesen zu wollen. Und sie ließ sich darauf
ein. Währenddessen kam eine weitere Frau zu uns und wir genossen das
Miteinander. Nach dem Märchen redeten wir kurz darüber. Die Frau, die dazu
gekommen war, meinte, dass es nicht so ihre Art ist, lange an einem Ort bleiben
zu können. Umso mehr ehrt es mich, dass sie das Märchen über bei mir war.

Letztlich machte der Himmel aber seine Drohung wahr und es begann zu regnen.
Meine wettergeschützte Nische füllte sich mit Leuten. Darunter eine junge Frau,
die einen echt beeindruckenden Drachen als Handpuppe hatte. Ich hatte sie schon
zu einem Märchen eingeladen, als sie zu dem Bandauftritt von
Saltatio Draconum geeilt war, aber da der Drache der offizielle Fandrache war,
vertröstete sie mich auf später. Dieses später hatte ich nun - halb im Scherz -
eingefordert. Und so stand sie nun bei mir, zerrissen zwischen ihrem Wunsch,
nach Hause zu gehen und ihrem achtlos gegebenen Wort. Aber da der kleine Drache
den Regen ohnehin nicht vertrug, ließ sie sich schließlich doch drauf ein
und ich wählte für diese Lesung "Der ewigen Turm". Ein Märchen, wo auch ein
richtig cooler Drache vor kommt. Ich dachte, das würde sie freuen - oder
zumindest ihren schuppigen Freund. Tatsächlich schien sie Freude daran zu haben
und auch, wenn sie nicht bis zum Ende des Märchens blieb, so blieb sie doch
länger, als der Regen angehalten hatte. Währenddessen hatten ein paar Kinder
sich zu mir auf die Jutesäcke gesetzt und hörten munter mit.

Nach dieser Lesung packte ich zusammen. Es war ein anstrengender Tag gewesen,
an dem ich meine Stimme sehr viel genutzt hatte. Aber es war auch wieder ein
schöner Tag gewesen. Und ich freue mich sehr, dass auf Schloss Berlepsch
stets ein Platz für mich frei ist, wo ich geschätzt werde und mich mit
meinen Märchen irgendwie zuhause fühlen kann.

 

Impressionen:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


   

 

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