Als ich jung war, lebte ich in einer Welt voller Farbe und Harmonie. Eines Tages aber geschah etwas, das die Dunkelheit in meine Welt einziehen ließ. Und wie alles um mich herum so dunkel und farblos war, legte sich der Schatten wie ein Mantel um mich. Und von da an waren mein Leben und ich in trübste Dunkelheit getaucht.
Tief in mir verbarg sich aber die geheime Sehnsucht nach Licht, Leben und Farbe. Wie sehr ich auch versuchte, diese Sehnsucht zu ersticken und mich der Dunkelheit zu ergeben So blieb doch dieses leise Flüstern: „Es muss doch mehr geben!“
Und als ich nicht mehr gegen dieses Flüstern ankämpfen konnte, machte ich mich auf den Weg zu neuen Gefilden. Das Vergangene aber trug ich an meinem Leib mit mir fort.
Da kam ich an eine riesengroße Mauer. Sie war dunkel und unüberwindlich. Und in ihr waren all die schweren Ereignisse meines Lebens als feste Ziegel eingebrannt. Ich wurde wütend.
Wütend auf die Mauer in meinem Weg.
Wütend auf mich.
Wütend auf meine Vergangenheit!
Wütend auf dieses leise Flüstern einer falschen Hoffnung.
Und ich schwor mir, diese Mauer zu zerstören!
Ich versuchte es mit Hämmern und Bohrern und Meißeln und Dynamit. Aber die Mauer stand und hielt. Ich sah mich um. Gerade jenseits der Mauer konnte ich eine bunte Welt erblicken. Ich sehnte mich nach dieser Welt. Aber die Mauer stand in meinem Weg und es war kein Weg daran vorbei.
In meiner Sehnsucht nach der bunten Welt jenseits der Mauer zog ich mir einen meiner schwarzen Handschuhe aus. Ich hatte ganz vergessen, dass ich unter diesem schwarzen Handschuh bunt war … In mir wuchs die Ahnung, dass meine schwarzen Gewänder mich nicht definierten und ich zog meine schwarzen Schuhe aus. Ich verstand, dass es meine Entscheidung war, ob ich mich an dem vergangenen festklammere und ich streifte meinen schwarzen Mantel ab. Ich erkannte, dass es nicht die biographischen Fakten waren, die mich belasteten, sondern meine Zuweisung ihrer emotionalen Bedeutsamkeit. Und ich schälte mich aus meiner schwarzen Hose.
Ich gestattete mir zu wählen was aus meiner Vergangenheit ich mit in meine Zukunft mitnehme und band mit meinen schwarzen Pullover locker um die Hüfte. Dann verließ ich den Weg und trat hinein in die bunte Welt abseits der Mauer. Die Mauer blieb zurück und verlor ihre düstere Macht und Bedeutsamkeit.
