Ich habe einen Hund. Er wurde mir vor einer ganzen Weile geschenkt. Dabei wollte ich nie einen Hund. Vor allem nicht so einen: er macht seinen Haufen ständig auf dem Teppich! Völlig ohne Vorwarnung …. zumindest dachte ich das bisher.
Letztens habe ich uns mal beobachtet. Den Hund und mich. Ich war beschädigt und mein Hund begann zu winseln. Aber es passte nicht in meine Planung, also ignorierte ich es. Dann legte er fiepend seine Schnauze auf mein Bein. Aber ich war beschäftigt, daher wischte ich sie fort. Dann brachte er mir seine Leine. Abwesend nahm ich sie, sagte „später“ und legte sie neben mich auf den Schreibtisch. Dann kratzte er an der Haustür. Aber ich war von seinen ständigen Unterbrechungen genervt, daher fuhr ich ihn an, dass er still sein sollte. Und dann … dann roch es plötzlich nach Hundescheiße.
Sofort unterbrach ich meine Arbeit, sah den Haufen auf dem Teppich, schimpfte mit meinem Hund und machte mich sogleich daran, die Sauerei wegzuputzen.
Plötzlich stockte ich. Mir fiel auf, dass er versucht hatte mir Bescheid zu sagen. Ich hatte nur nicht zugehört. Warum war ich also auf den Hund wütend, der alles getan hatte, was in seiner Macht stand?
Und dann überlegte ich, ob es noch andere Bereiche gibt, wo ich frühe Warnzeichen nicht wahrnehme, weil ich zu beschäftigt bin … und mir fiel etwas auf:
Ich habe ein Trauma. Ich wollte es nie haben, es wurde mir von äußeren Ereignissen aufgezwungen. Und die Erinnerung daran kommt immer in sehr unpassenden Momenten und ist sehr heftig. Aber wenn ich es beobachte, so muss ich doch zugeben, dass meine Traumaerinnerungen eigentlich nicht unangekündigt kommt. Es sind stets die gleichen Situationen der Selbstverleugung, in denen es kommt. Dann fühle ich mich zuerst beklommen. Dann beginnt mein Herz zu rasen. Dann werden meine Hände klamm. Ich fühle mich hilflos und ausgeliefert. Mein Kopf macht zu. Und schließlich breche ich zusammen.Ich brauche dann eine lange Zeit, um mich zu beruhigen, zu sammeln und wieder zu funktioniere.
Was würde wohl passieren, wenn ich nicht erst dann reagieren würde, wenn ich bereits zusammengebrochen bin?
Sondern schon vorher auf mich achte, mich schone und versuche, aus der belastenden Situation heraus zu kommen? Nun … jetzt gehe ich erst mal mit meinem Hund Gassi. Er hat mir wieder seine Leine gebracht. Übrigens habe ich festgestellt, dass diese Pause auch nur sehr gut tut. Und mein Teppich dankt es mir auch.