Mein Wohlfühlsockel gehört nur mir

In jedem von uns gibt es einen großen Ich-Raum. Im Mittelpunkt dieses Raumes steht ein Sockel. Auf diesem Sockel steht ein bequemer Wohlfühlsessel für den Besitzer dieses Ich-Raumes, der über dein Leben herrscht. Dieser Sessel gehört allein dir und nur du hast das Recht, darauf zu sitzen. Manchmal ist der Sessel leer, weil du deine Position im Mittelpunkt deines Lebens nicht für dich beanspruchen willst oder es dir gerade nicht zutraust.
Das ist in Ordnung.

Doch wenn dieser Sessel leer ist, kann es vorkommen, dass deine Erinnerungen, deine Überzeugungen, deine Muster oder deine Gefühle sich daraufsetzen. Sie versuchen dann, die Kontrolle über dein Leben an sich zu reißen und über dein Denken, dein Handeln und dein Fühlen zu bestimmen. Doch das dauert nie sehr lange. Denn nach einer Weile werden diese anderen Einflüsse jedes Mal aus deinem Sessel herauskatapultiert. Denn dieser Sessel ist nur für dich bestimmt und er wartet auf dich. Er wartet darauf, dass du deinen dir angestammten Platz in dem Mittelpunkt deines Lebens einnimmst und selbst über dein Leben bestimmst.

Das, Was weg soll, ist mein Freund?!

Es gibt da etwas, wovor du Angst hast. Es ist groß und bedrohlich und unüberwindlich. Und es ist immer da! Es soll weg. Aber es ist immer da. Du würdest alles tun, damit du es endgültig besiegst und es aus deinem Leben vertreibst. Aber es ist immer da. Je mehr du es bekämpfst, desto stärker und machtvoller scheint es zu werden. Und es schreit. Es schreit so laut! Hörst du, was es schreit?

Hör kurz auf zu kämpfen. Einen Augenblick nur. Hier, lausche. Hörst du, was es schreit? Je mehr du lauschst, je offener du zuhörst, desto mehr wird der Schrei zu einem flehenden Flüstern: „Hör mir zu! Bitte! Hör mich an!“ … Wenn du es nun fragst, was es will, und es geduldig reden lässt, dann wird es sagen: „Ich will dich beschützen!“

Und plötzlich erkennst du in dem Monster, das weg sollte, einen Beschützer aus früherer Zeit. Einen Gefährten, einen Lebensretter gar. Und weil er dir damals geholfen hat, war er sicher, dass du ihn auch jetzt noch brauchst. Er verstand nicht, dass er zu etwas geworden war, das jetzt nicht mehr hilft. Etwas, das jetzt weg soll. Da umarmst du ihn in aufrechter Dankbarkeit für das, was er damals für dich getan hatte. Dafür, dass er dich in früherer Zeit beschützt hat. Du zeigst ihm, dass du nun stark genug bist, um dich selbst zu beschützen. Und der Beschützer früherer Zeit, der zu etwas geworden war, das jetzt unbedingt weg soll, wird sich aufrichtig für dich freuen. Und mit dieser Erkenntnis schickst du den Beschützer früherer Zeit voller Dankbarkeit fort. Und er lässt dich voller Zuversicht los und geht. Ohne einen Kampf, der schwächt und schmerzt und anstrengt, sondern durch Zuhören, Anerkennung und Dankbarkeit bist du frei.

Mein Trauma muss mal Gassi gehen

Ich habe einen Hund. Er wurde mir vor einer ganzen Weile geschenkt. Dabei wollte ich nie einen Hund. Vor allem nicht so einen: er macht seinen Haufen ständig auf dem Teppich! Völlig ohne Vorwarnung …. zumindest dachte ich das bisher.

Letztens habe ich uns mal beobachtet. Den Hund und mich. Ich war beschädigt und mein Hund begann zu winseln. Aber es passte nicht in meine Planung, also ignorierte ich es. Dann legte er fiepend seine Schnauze auf mein Bein. Aber ich war beschäftigt, daher wischte ich sie fort. Dann brachte er mir seine Leine. Abwesend nahm ich sie, sagte „später“ und legte sie neben mich auf den Schreibtisch. Dann kratzte er an der Haustür. Aber ich war von seinen ständigen Unterbrechungen genervt, daher fuhr ich ihn an, dass er still sein sollte. Und dann … dann roch es plötzlich nach Hundescheiße.
Sofort unterbrach ich meine Arbeit, sah den Haufen auf dem Teppich, schimpfte mit meinem Hund und machte mich sogleich daran, die Sauerei wegzuputzen.

Plötzlich stockte ich. Mir fiel auf, dass er versucht hatte mir Bescheid zu sagen. Ich hatte nur nicht zugehört. Warum war ich also auf den Hund wütend, der alles getan hatte, was in seiner Macht stand?
Und dann überlegte ich, ob es noch andere Bereiche gibt, wo ich frühe Warnzeichen nicht wahrnehme, weil ich zu beschäftigt bin … und mir fiel etwas auf:

Ich habe ein Trauma. Ich wollte es nie haben, es wurde mir von äußeren Ereignissen aufgezwungen. Und die Erinnerung daran kommt immer in sehr unpassenden Momenten und ist sehr heftig. Aber wenn ich es beobachte, so muss ich doch zugeben, dass meine Traumaerinnerungen eigentlich nicht unangekündigt kommt. Es sind stets die gleichen Situationen der Selbstverleugung, in denen es kommt. Dann fühle ich mich zuerst beklommen. Dann beginnt mein Herz zu rasen. Dann werden meine Hände klamm. Ich fühle mich hilflos und ausgeliefert. Mein Kopf macht zu. Und schließlich breche ich zusammen.Ich brauche dann eine lange Zeit, um mich zu beruhigen, zu sammeln und wieder zu funktioniere.

Was würde wohl passieren, wenn ich nicht erst dann reagieren würde, wenn ich bereits zusammengebrochen bin?
Sondern schon vorher auf mich achte, mich schone und versuche, aus der belastenden Situation heraus zu kommen? Nun … jetzt gehe ich erst mal mit meinem Hund Gassi. Er hat mir wieder seine Leine gebracht. Übrigens habe ich festgestellt, dass diese Pause auch nur sehr gut tut. Und mein Teppich dankt es mir auch.