Der schwarze Mantel meiner Traurigkeit

Als ich jung war, lebte ich in einer Welt voller Farbe und Harmonie. Eines Tages aber geschah etwas, das die Dunkelheit in meine Welt einziehen ließ. Und wie alles um mich herum so dunkel und farblos war, legte sich der Schatten wie ein Mantel um mich. Und von da an waren mein Leben und ich in trübste Dunkelheit getaucht.
Tief in mir verbarg sich aber die geheime Sehnsucht nach Licht, Leben und Farbe. Wie sehr ich auch versuchte, diese Sehnsucht zu ersticken und mich der Dunkelheit zu ergeben So blieb doch dieses leise Flüstern: „Es muss doch mehr geben!“
Und als ich nicht mehr gegen dieses Flüstern ankämpfen konnte, machte ich mich auf den Weg zu neuen Gefilden. Das Vergangene aber trug ich an meinem Leib mit mir fort.

Da kam ich an eine riesengroße Mauer. Sie war dunkel und unüberwindlich. Und in ihr waren all die schweren Ereignisse meines Lebens als feste Ziegel eingebrannt. Ich wurde wütend.
Wütend auf die Mauer in meinem Weg.
Wütend auf mich.
Wütend auf meine Vergangenheit!
Wütend auf dieses leise Flüstern einer falschen Hoffnung.
Und ich schwor mir, diese Mauer zu zerstören!
Ich versuchte es mit Hämmern und Bohrern und Meißeln und Dynamit. Aber die Mauer stand und hielt. Ich sah mich um. Gerade jenseits der Mauer konnte ich eine bunte Welt erblicken. Ich sehnte mich nach dieser Welt. Aber die Mauer stand in meinem Weg und es war kein Weg daran vorbei.

In meiner Sehnsucht nach der bunten Welt jenseits der Mauer zog ich mir einen meiner schwarzen Handschuhe aus. Ich hatte ganz vergessen, dass ich unter diesem schwarzen Handschuh bunt war … In mir wuchs die Ahnung, dass meine schwarzen Gewänder mich nicht definierten und ich zog meine schwarzen Schuhe aus. Ich verstand, dass es meine Entscheidung war, ob ich mich an dem vergangenen festklammere und ich streifte meinen schwarzen Mantel ab. Ich erkannte, dass es nicht die biographischen Fakten waren, die mich belasteten, sondern meine Zuweisung ihrer emotionalen Bedeutsamkeit. Und ich schälte mich aus meiner schwarzen Hose.
Ich gestattete mir zu wählen was aus meiner Vergangenheit ich mit in meine Zukunft mitnehme und band mit meinen schwarzen Pullover locker um die Hüfte. Dann verließ ich den Weg und trat hinein in die bunte Welt abseits der Mauer. Die Mauer blieb zurück und verlor ihre düstere Macht und Bedeutsamkeit.

Der Raum mit den hundert Türen

In jedem Menschen gibt es einen großen, runden Raum.
An den Wänden dieses Raumes gibt es hunderte von Türen in allen Farben und Formen.
Hinter diesen Türen befinden sich die unterschiedlichsten Wesen.
Es sind all deine Erinnerungen, Überzeugungen, Muster und Gefühle.
Immer mal wieder klopft es an einer der Türen und rüttelt es an dem Türgriff.
Manchmal sogar bei mehreren gleichzeitig. Das ist dann ein ziemlicher Lärm.
Und wenn du eine Tür öffnest, überschwappt dich manchmal das, was dahinter ist und nimmt dich völlig ein.

Aber du musst die Tür nicht öffnen.
Du musst das, was hinter den Türen ist, nicht hineinlassen.
Jede Tür hat ein Guckloch, das du öffnen kannst, wenn das, was dahinter ist, klopft.
Und dann kannst du fragen, was es will.
Und du darfst entscheiden, ob du es eintreten lässt, oder nicht.
Du allein kannst entscheiden.
Denn du bist der Herrscher dieses Raumes mit den vielen Türen.
Und was immer hinter den Türen ist, existiert einzig, um dir zu helfen, dich zu beraten und dir zu dienen.

Mein Wohlfühlsockel gehört nur mir

In jedem von uns gibt es einen großen Ich-Raum. Im Mittelpunkt dieses Raumes steht ein Sockel. Auf diesem Sockel steht ein bequemer Wohlfühlsessel für den Besitzer dieses Ich-Raumes, der über dein Leben herrscht. Dieser Sessel gehört allein dir und nur du hast das Recht, darauf zu sitzen. Manchmal ist der Sessel leer, weil du deine Position im Mittelpunkt deines Lebens nicht für dich beanspruchen willst oder es dir gerade nicht zutraust.
Das ist in Ordnung.

Doch wenn dieser Sessel leer ist, kann es vorkommen, dass deine Erinnerungen, deine Überzeugungen, deine Muster oder deine Gefühle sich daraufsetzen. Sie versuchen dann, die Kontrolle über dein Leben an sich zu reißen und über dein Denken, dein Handeln und dein Fühlen zu bestimmen. Doch das dauert nie sehr lange. Denn nach einer Weile werden diese anderen Einflüsse jedes Mal aus deinem Sessel herauskatapultiert. Denn dieser Sessel ist nur für dich bestimmt und er wartet auf dich. Er wartet darauf, dass du deinen dir angestammten Platz in dem Mittelpunkt deines Lebens einnimmst und selbst über dein Leben bestimmst.

Das, Was weg soll, ist mein Freund?!

Es gibt da etwas, wovor du Angst hast. Es ist groß und bedrohlich und unüberwindlich. Und es ist immer da! Es soll weg. Aber es ist immer da. Du würdest alles tun, damit du es endgültig besiegst und es aus deinem Leben vertreibst. Aber es ist immer da. Je mehr du es bekämpfst, desto stärker und machtvoller scheint es zu werden. Und es schreit. Es schreit so laut! Hörst du, was es schreit?

Hör kurz auf zu kämpfen. Einen Augenblick nur. Hier, lausche. Hörst du, was es schreit? Je mehr du lauschst, je offener du zuhörst, desto mehr wird der Schrei zu einem flehenden Flüstern: „Hör mir zu! Bitte! Hör mich an!“ … Wenn du es nun fragst, was es will, und es geduldig reden lässt, dann wird es sagen: „Ich will dich beschützen!“

Und plötzlich erkennst du in dem Monster, das weg sollte, einen Beschützer aus früherer Zeit. Einen Gefährten, einen Lebensretter gar. Und weil er dir damals geholfen hat, war er sicher, dass du ihn auch jetzt noch brauchst. Er verstand nicht, dass er zu etwas geworden war, das jetzt nicht mehr hilft. Etwas, das jetzt weg soll. Da umarmst du ihn in aufrechter Dankbarkeit für das, was er damals für dich getan hatte. Dafür, dass er dich in früherer Zeit beschützt hat. Du zeigst ihm, dass du nun stark genug bist, um dich selbst zu beschützen. Und der Beschützer früherer Zeit, der zu etwas geworden war, das jetzt unbedingt weg soll, wird sich aufrichtig für dich freuen. Und mit dieser Erkenntnis schickst du den Beschützer früherer Zeit voller Dankbarkeit fort. Und er lässt dich voller Zuversicht los und geht. Ohne einen Kampf, der schwächt und schmerzt und anstrengt, sondern durch Zuhören, Anerkennung und Dankbarkeit bist du frei.

Mein Trauma muss mal Gassi gehen

Ich habe einen Hund. Er wurde mir vor einer ganzen Weile geschenkt. Dabei wollte ich nie einen Hund. Vor allem nicht so einen: er macht seinen Haufen ständig auf dem Teppich! Völlig ohne Vorwarnung …. zumindest dachte ich das bisher.

Letztens habe ich uns mal beobachtet. Den Hund und mich. Ich war beschädigt und mein Hund begann zu winseln. Aber es passte nicht in meine Planung, also ignorierte ich es. Dann legte er fiepend seine Schnauze auf mein Bein. Aber ich war beschäftigt, daher wischte ich sie fort. Dann brachte er mir seine Leine. Abwesend nahm ich sie, sagte „später“ und legte sie neben mich auf den Schreibtisch. Dann kratzte er an der Haustür. Aber ich war von seinen ständigen Unterbrechungen genervt, daher fuhr ich ihn an, dass er still sein sollte. Und dann … dann roch es plötzlich nach Hundescheiße.
Sofort unterbrach ich meine Arbeit, sah den Haufen auf dem Teppich, schimpfte mit meinem Hund und machte mich sogleich daran, die Sauerei wegzuputzen.

Plötzlich stockte ich. Mir fiel auf, dass er versucht hatte mir Bescheid zu sagen. Ich hatte nur nicht zugehört. Warum war ich also auf den Hund wütend, der alles getan hatte, was in seiner Macht stand?
Und dann überlegte ich, ob es noch andere Bereiche gibt, wo ich frühe Warnzeichen nicht wahrnehme, weil ich zu beschäftigt bin … und mir fiel etwas auf:

Ich habe ein Trauma. Ich wollte es nie haben, es wurde mir von äußeren Ereignissen aufgezwungen. Und die Erinnerung daran kommt immer in sehr unpassenden Momenten und ist sehr heftig. Aber wenn ich es beobachte, so muss ich doch zugeben, dass meine Traumaerinnerungen eigentlich nicht unangekündigt kommt. Es sind stets die gleichen Situationen der Selbstverleugung, in denen es kommt. Dann fühle ich mich zuerst beklommen. Dann beginnt mein Herz zu rasen. Dann werden meine Hände klamm. Ich fühle mich hilflos und ausgeliefert. Mein Kopf macht zu. Und schließlich breche ich zusammen.Ich brauche dann eine lange Zeit, um mich zu beruhigen, zu sammeln und wieder zu funktioniere.

Was würde wohl passieren, wenn ich nicht erst dann reagieren würde, wenn ich bereits zusammengebrochen bin?
Sondern schon vorher auf mich achte, mich schone und versuche, aus der belastenden Situation heraus zu kommen? Nun … jetzt gehe ich erst mal mit meinem Hund Gassi. Er hat mir wieder seine Leine gebracht. Übrigens habe ich festgestellt, dass diese Pause auch nur sehr gut tut. Und mein Teppich dankt es mir auch.

„Weihnachtskugeln“

2026 begann ich mit einem Projekt, das in den nächsten Jahren unseren Familienweihnachtsbaum nach und nach füllen könnte. Ich bemalte für jedes Jahr eine Weihnachtskugel mit dem wichtigsten Ereignis des jeweiligen Jahres.  Da es ein Geschenk für meine junge Familie ist, beginnt es in dem Jahr, wo ich meinen Mann kennengelernt habe, spannt sich über unsere gemeinsame Zeit und über die Geburt unserer Kinder bis zum aktuellen Jahr. Ich hoffe, es gelingt mir, dieses Projekt in den kommenden Jahren aktuell zu halten.

Die Kugeln fand ich auf Temu. Es sind unscheinbare, flache Kreise aus weißem Plastik. Ich übertrug Fotos darauf und malte sie mit Alkoholmarkern aus. Für den Hintergrund nutzte ich eine rote, schimmernde Acrylfarbe.

18.-19.04.2026 – Ritterfest Schloss Berlepsch

Ich freue mich sehr, im April Teil des Rittercup auf Schloss Berlepsch zu sein. Leider wird dies eines der letzten Male sein, in denen ich Gast auf diesem wunderbaren Schloss bin, da es bald seine Tore schließen wird. Doch das ist ein Grund mehr, dass ich mich darauf freue, zurück zu kehren und es zu genießen.

18.04.2026
Da ich für die Besucher in meinem geliebten Sommersalon so schwer zu finden bin,
war mein Platz dieses Mal direkt am Eingang der Burg. Ich richtete mir meine
Leseoase gar kuschlig ein. Die mit Kissen gefüllten Jutesäcke waren bequeme
Sitzmöglichkeiten und keiner kam an meiner kleinen Ecke vorbei.
Neben der schönen Nische hatte ich offizielle Lesungstermine auf der Bühne.
Ich fühlte mich gleich wieder so unglaublich wohl und wertgeschätzt.
Die Crew von Berlepsch ist und bleibt einfach großartig.

Bei meiner ersten Lesung waren noch nicht viele Gäste da, denn der RitterCup
hatte gerade angefangen und war in dem Feld vor dem Schloss. Trotzdem waren
die Bänke vor der Bühne gut gefüllt. Es war fast wie ein Luftholen und Ankommen
der Schausteller, bevor der große Ansturm beginnt. Und es war wunderbar.
Ich las "Das ewige Gemälde" und es kam sehr gut an. Dabei durfte ich das Mikro
nutzen, die die Band Saltatio Draconum aufgebaut hatte. Eine wirklich tolle
Musikertruppe, mit denen sich auf diesem Fest ein warmes Miteinander bildete.
Ich muss aber doch ehrlich zugeben, dass mein persönliches Highlight dieser
Lesung war, dass meine Familie dabei war und mein Kind sich so freute,
mich zu sehen, dass es direkt zu mir gelaufen kam. Und wie es sich bei den
spannenden Stellen an die Oma kuschelte, weil es seine Mama so gruselig
gar nicht kennt.

Dann ging ich mit meiner Familie zu meiner kleinen Nische und wir unterhielten
uns etwas, bis sie alle das Fest erkundeten. Meine Familie war zurecht
begeistert von Berlepsch und dem Fest. Und ich sah sie nur noch alle paar
Stunden, wenn sie vorbei kamen, um mich nach meinem Befinden zu fragen
und gleich wieder von dannen zu ziehen, um Schloss und Rittertunier weiter zu
erkunden. Ja, der RitterCub von Schloss Berlepsch ist wirklich
für die ganze Familie.

Ich derweil las in meiner Nische immer mal wieder Märchen vor und hatte schöne
Begegnungen. Die erste war ganz am Anfang, als ich noch am Aufbauen war, und
einer der Schlossführer mich ansprach. Er fragte, ob ich mit dem
Berlepsch-Märchen zu tun hatte, was ich bejahte.
Er sprach sehr wohlwollend über die Geschichte, was mich sehr freute,
und meinte sogar, dass er das Märchen bei den Führungen einflechten würde.
Was gibt es für eine größere Ehre und Bestätigung, als dass ein Kunstmärchen
zur Lore einer Burg wird? Ich finde das wunderbar.

Ich las an dem Tag "Der zauberhafte Silbersee" vor. Wobei das gar nicht so stimmt.
Eines der drei Mädchen, die sich zu mir in meine Nische gesellt hatten,
wollte es selbst vorlesen. Ich übernahm zwischendrin, aber es war echt schön
zu sehen, wie sie es sich zu Eigen machte. Und es geht ja nicht nur darum,
dass ich vorlese. Es ist auch wunderbar, wenn die Gäste selbst schmökern.

Und für die die nächste Bühnenlesung wählte ich "Goldregen". Ich hatte Lust
auf die gruselig-lustige Begegnung von Goldregen und dem Teufel und auch
die Zuhörer wollten ein eher unheimliches Märchen hören. Im nachhinein muss
ich aber doch zugeben, dass das wohl keine gute Wahl für die Bühne war.
Denn all das Leid und das von dem Protagonisten erlebte Trauma, das zu der
Begegnung mit dem Teufel führt, war doch intensiver, als ich es bei einer
großen Zuhörergruppe verantworten kann. Ich bedaure diese Wahl. Ich hätte
an dieser Stelle ein schöneres Setting schaffen können und sollen.

Weiterhin lies ich in meiner kleinen Nische mit Einzelpersonen doch die Märchen
"Die schlaflose Prinzessin", "Die verwunschene Blume" und
"Die unscheinbare Fee" vor, wobei letzteres Märchen leider abgebrochen wurde,
weil das Paar in Zeitdruck kam und weiter musste. Das ist halt leider der
Nachteil, wenn es ein so wundervolles Fest gibt, bei dem so viel erkundet
werden kann: Die Zeit ist nie genug. Und es fällt schwer, sich auf ein Angebot
einzulassen - vor allem, wenn es eine Märchenlesung ist, die doch etwas mehr
Zeit beansprucht. Die Angst, etwas zu verpassen ist unserer heutigen
Gesellschaft leider zu sehr ins Blut übergegangen. Aber das ist ja einer
der Gründe, warum es meine Märchen überhaupt gibt: Nimm dir eine Pause und
begegne dir in einer Geschichte selbst, egal, was die Welt um dich herum
gerade von dir will. Und Leute, die sich auf diese Begegnungen einlassen
erfreuen mich immer sehr.

Eine der eindrücklichsten Begegnungen dieses Tages war ein kleiner Junge,
der einen Moment vor meiner Nische stand und mich unsicher anschaute.
Dann lief er weg und kam ein paar Minuten später mit seiner Mutter zurück.
Diese zeigte sich sehr erfreut, mich mal wieder zu sehen und erzählte, dass
sie mir vor einigen Jahren schon mal begegnet waren und damals eines meiner
Märchen gekauft hatten. Sie erzählte, dass "Das zerbrochene Herz" bei ihnen
immer noch tief geliebt und regelmäßig gelesen wurde. Das hat mich so gefreut.
Der Junge setzte sich dann zu mir und schmökerte ein bisschen. Seine Mutter
fragte, welches Märchen ich ihrem Sohn dieses Mal empfehlen würde. Ich hatte
bemerkt, dass er sich eher ernste Märchen angeschaut hatte. Darunter auch
"Das Mädchen im Schatten". Das ist eines meiner eher düsteren Märchen,
in dem es um Angst und ihre Überwindung geht. Bei dieser Art Märchen bin ich
immer eher vorsichtig, sie zu empfehlen, weil es schwer einzuschätzen ist,
wie Leute mit etwas umgehen, was vor der Lösung in die Dunkelheit führt.
Aber bei ihm war es stimmig. Und unter dem Aspekt, dass er sich das Buch gleich
schnappte, es zu lesen begann und es nicht mehr aus der Hand legte, gehe ich
schon ein bisschen davon aus, dass es bei ihm gut aufgehoben ist.

Eine weitere amüsante Begegnung war, als ein paar Leute um mich herum standen
und ich meine Gabe genutzt habe, jedem sein Märchen zu empfehlen. Ich liebe es,
das zu tun. Und ich liebe es, in die Gesichter zu sehen, wenn die Leute sich
gesehen fühlen. Und - um ganz ehrlich zu sein - ich liebe es auch, dass es mir
einen leicht unheimlichen Flair verleiht, Leute, die ich nicht kenne, doch so
gut einschätzen zu können. Dabei kann ich oft selbst nicht ganz den Finger
drauf legen, warum ich zu bestimmten Personen bestimmte Märchen assoziiere.
Einer Person empfahl ich "Die Scherbensammlerin". Sie schaute es sich an,
zeigte es ihrer Freundin, flüsterte halblaut, dass das Märchen zu ihr
passen würde wie die Faust aufs Auge und entfernte sich dann mit einem Lächeln
und den Worten "das ist mir etwas zu unheimlich" von meiner Nische.
Natürlich finde ich es schade, dass ich sie nicht dazu begeistern konnte,
sich näher darauf einzulassen. Aber sie weiß jetzt ja, wo sie das Märchen
findet, wenn sie das später doch noch nachholen möchte.

19.04.2026
Während am Vortag wunderbares Wetter war und der Andrang auch entsprechend groß,
war der zweite Tag eher schlecht besucht und hatte stets die lauernde
Bedrohung eines Regenschauers. Auch zog die Bändchenkontrolle zu mir in diese
wunderbar überdachte und trockene Nische. Mein Platz zeigte wieder, dass er
großartig war ... aber leider war es nun noch schwerer, Leute dazu einzuladen,
bei mir Rast zu machen und sich ein Märchen anzuhören.
Aber das machte mir nichts. Die Kollegin bei der Bändchenkontrolle hatte
Vergnügen daran, meine Märchen zu hören und ein Freund von mir kam vorbei.
Wir machten uns also eine gute Zeit. Ich lies an diesem Tag sehr viel vor.
Aber die Begegnungen waren merklich weniger geworden. Die Begegnungen aber,
die stattfanden, waren wieder sehr schön und wertvoll.

Da das Wetter drohend über dem Fest schwebte, hatte die Veranstaltungsleitung
sich entschieden, dass meine Lesungen doch wieder im Sommersalon statt finden
sollten. Oh, ich liebe diesen Raum. Er hat eine ganz eigene Atmosphäre.
Diese Stille und Bedächtigkeit und Besinnlichkeit, die mich umfängt, wenn ich
dort bin, ist einfach bemerkenswert. Ich verstehe schon, warum dieser Raum für
Trauungen verwendet wird. Für die Lesungen ist er nach wie vor großartig
geeignet. Aber natürlich ist es schwer, dort einfach mal vorbei zu kommen, wenn
man nicht gezielt zu einer Lesung möchte und den Raum sucht. So wie die Familie,
die mich in meiner Nische ansprach, ob ich wüsste wo die erste Lesung ist
und dann mit mir zusammen hin gegangen ist. Das war voll knuffig. Ich las
bei der ersten offiziellen Lesung dieses Tages "Die kleine Tänzerin" vor.
Es waren ein paar Kinder da, von denen nicht alle die gesamte Geschichte
blieben. Aber die drei, die mit mir hinauf gekommen waren, blieben bis zum
Ende, genossen es und begleiteten mich dann auch wieder hinab zu meiner Nische,
um gleich noch ein weiteres Märchen zu hören. Da fiel die Wahl auf
"Das zerbrochene Herz". Direkt danach setzte sich ein Junge zu mir, der auch
ein Märchen hören wollte. Auch seine Wahl fiel auf "Das zerbrochene Herz".
Leider bemerkte ich schnell, dass der Junge nicht wirklich da war. Er war
abgelenkt und hörte nicht richtig zu. Dies steigernte das Stressniveau der
Mutter ebenfalls sichtbar. Also entschloss ich mich kurzerhand, das Märchen
im Prozess des Vorlesens zu kürzen. Manchmal mache ich sowas, wenn ich meine
Märchen vorlese. Und kurz bevor die Mutter besorgt fragen wollte, ob das
Märchen noch lang ist, war ich am Ende angekommen und die beiden konnten weiter.
Ich liebe es, meine Märchen unter die Leute zu bringen. Es tut mir gut, wenn
sie wohlwollend empfangen werden. Aber ich zwinge auch niemanden, über seine
Grenzen zu gehen. Jeder darf selbst wählen, wann, wie und in welchem Rahmen
er dieses Angebot von mir annehmen möchte. Das ist mir wichtig.

Für die nächste Lesung las ich der Kollegin von der Bändchenkontrolle ein
Märchen vor, von dem ich dachte, dass es zu ihr passt. Meine Wahl fiel auf
"Das verborgene Licht". Wir hatten eine gute Zeit und es kamen und gingen Leute,
die mithörten oder nicht. Natürlich zeigte sich an dieser Stelle, dass mein
Standort - sei er auch noch so zentral - sehr unruhig ist und zu sehr im Strom
der Bewegung, dass das Angebot der Ruhe etwas zu kurz kommt.

Bald war die Zeit der zweiten offiziellen Lesung: "Die schlaflose Prinzessin".
Sie fand wieder im Sommersalon statt und eine Familie leistete mir Gesellschaft.
Und ein Freund von mir, der mich besuchen wollte, um mir zu helfen -
und um meine Märchen zu hören. Er sprach sich nach der Lesung sehr für
meine Märchen aus und erzählte der Familie, dass er jedes meiner Märchen
großartig fände. Es tut so gut, diese wohlwollende Unterstützung in der
direkten Umgebung zu haben und ich bin sehr dankbar, dass ich so viele
liebe Menschen habe, die mich und meine Märchen unterstützen und schätzen.

Der Freund begleitete mich zu meiner Nische und wir fuhren fort, Märchen zu
lesen. Ich las an dem Tag noch viel vor. Zuerst "Der Wunderbaum".
Dann kam ein Mann vorbei, der meine Nische betrachtete. Als ich ihn ansprach
und einlud, sich zu mir zu setzen und zu schmökern, meinte er, dass er
Märchen liebt und bereits alle kennen würde. Na, wenn das mal keine Einladung
war. Ich bot ihm eine Wette an, dass ich ein Märchen finden würde, dass er
noch nicht kennt. Wenn ich Recht hätte, dann bliebe er noch ein bisschen bei
mir sitzen und wir würden uns weiter über Märchen unterhalten. Er stimmte zu.
Und natürlich hatte ich mit meiner Einschätzung recht. Das ist aber kein
Kunststück, wenn man bedenkt, dass meine Märchen noch nicht so bekannt sind.
Im Moment haben sie halt eher den Status von Geheimtipps für Märchenliebhaber.
Der Mann blieb also noch eine Weile und ich las ihm das Märchen
"Vom Geheimnis der Zeit" vor. Er kannte es nicht, schien es aber sehr zu mögen.

Bei der nächsten Lesung - "Der zauberhafte Silbersee" verließen meine
kindlichen Zuhörer meine Nische, bevor das Märchen zu Ende war. Dafür hatte
sich eine Frau zu mir gesetzt. Irgendetwas an ihr weckte bei mir den Wunsch,
ihr unbedingt "Die ewigen Momente" vorlesen zu wollen. Und sie ließ sich darauf
ein. Währenddessen kam eine weitere Frau zu uns und wir genossen das
Miteinander. Nach dem Märchen redeten wir kurz darüber. Die Frau, die dazu
gekommen war, meinte, dass es nicht so ihre Art ist, lange an einem Ort bleiben
zu können. Umso mehr ehrt es mich, dass sie das Märchen über bei mir war.

Letztlich machte der Himmel aber seine Drohung wahr und es begann zu regnen.
Meine wettergeschützte Nische füllte sich mit Leuten. Darunter eine junge Frau,
die einen echt beeindruckenden Drachen als Handpuppe hatte. Ich hatte sie schon
zu einem Märchen eingeladen, als sie zu dem Bandauftritt von
Saltatio Draconum geeilt war, aber da der Drache der offizielle Fandrache war,
vertröstete sie mich auf später. Dieses später hatte ich nun - halb im Scherz -
eingefordert. Und so stand sie nun bei mir, zerrissen zwischen ihrem Wunsch,
nach Hause zu gehen und ihrem achtlos gegebenen Wort. Aber da der kleine Drache
den Regen ohnehin nicht vertrug, ließ sie sich schließlich doch drauf ein
und ich wählte für diese Lesung "Der ewigen Turm". Ein Märchen, wo auch ein
richtig cooler Drache vor kommt. Ich dachte, das würde sie freuen - oder
zumindest ihren schuppigen Freund. Tatsächlich schien sie Freude daran zu haben
und auch, wenn sie nicht bis zum Ende des Märchens blieb, so blieb sie doch
länger, als der Regen angehalten hatte. Währenddessen hatten ein paar Kinder
sich zu mir auf die Jutesäcke gesetzt und hörten munter mit.

Nach dieser Lesung packte ich zusammen. Es war ein anstrengender Tag gewesen,
an dem ich meine Stimme sehr viel genutzt hatte. Aber es war auch wieder ein
schöner Tag gewesen. Und ich freue mich sehr, dass auf Schloss Berlepsch
stets ein Platz für mich frei ist, wo ich geschätzt werde und mich mit
meinen Märchen irgendwie zuhause fühlen kann.

 

Impressionen:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


   

 

01.11.2025 Mistelfest

Ich war am 01.11.2025 beim zweiten Mistelfest in Hofheim am Taunus auch wieder dabei.

Wie bereits letztes Jahr war ich auch am 01.11.2025 erneut ein Teil des
Mistelfestes in Hofheim am Taunus. Das Wetter war uns dieses Jahr nicht
wirklich hold, aber das schöne Zelt mit den Strohballen war wieder sehr
angenehm.
Dieses Mal war ich nicht im Hof des Gemeinschaftszentrums, sondern auf der
Hauptstraße direkt neben dem Stand mit den Schaffellen ... inklusive Schafen.
Und zwei zwei Wochen alten Lämmchen! Die waren so süß! Und da es noch eine
Weile bis zu meiner ersten Lesezeit war und noch nicht so viele Besucher da
waren, durfte ich die Kleinen auch ein bisschen kuscheln.
Sie waren so neugierig und natürlich sowohl nähebedürftig als auch hungrig.
Meine Finger wurden sehr besaugt. Es war durchaus ein Erlebnis.

Erneut hatte ich drei feste Lesungszeiten und ergänzte diese nach Bedarf.
Der Anfang war recht holprig und als meine Vorlesezeit war, hatte sich noch
nicht wirklich jemand eingefunden. Nur ein anderer Schausteller stand bei mir
und wir redeten etwas über die Märchen. Und da noch niemand anderes da war
und meine Lesezeit war, ließ ich ihn ein Märchen aussuchen. Seine Wahl fiel
auf "Die Scherbensammlerin". Ein Märchen, das eher für Erwachsene geeignet ist,
da es sich mit Trauer und Verlust auseinandersetzt und kein gewöhnliches
Happy End bietet. Eher ein bittersüßes Ende. Als ich so las, kam natürlich
so die eine oder andere Person mit dazu. Darunter auch recht junge Kinder,
die natürlich gerade da kamen, als der Ehemann starb. Ich schluckte kurz.
Und dann entschied ich mich, dass der Tod zum Leben gehört und Kinder damit
so viel besser umgehen können, als man ihnen es zutrauen mag. Viel zu oft
werden Kinder nur dann verunsichert, wenn sie mitbekommen, dass die Erwachsenen
komisch umherdrucksen. Also las ich einfach weiter und tatsächlich kamen die
Kinder meinem Eindruck nach extrem gut mit dem Märchen klar.

Direkt danach las ich dann "Die kleine Tänzerin", sodass auch die Kinder
auf ihre Kosten kamen. Eines der Mädchen bei dieser Lesung war bereits beim
letzten Jahr Dauergast in meinem Zelt gewesen. Sie hörte gerne wieder zu und
erkannte das Märchen noch von damals. Das war sehr schön.
Als nächstes las ich "Der Wunderbaum". Die Kinder saßen gerne bei mir
und hörten aufmerksam zu. Und auch die Erwachsenen, die ihre Kids begleiteten,
bekamen so wunderschön träumerische Augen.

Leider begann es dann auch bald zu Regnen. Das Zelt war zwar trocken, aber
ich musste meine Bücherauslage von Außen nach Innen zurückziehen und saß selbst
auch im Inneren des Zeltes, statt draußen zu stehen. Ich bin mir gar nicht
sicher, ob das dem Besucheransturm meines Zeltes jetzt gut getan hat oder
eher nicht. Auf der einen Seite war ich nicht mehr präsent, um bereits draußen
Fragen zu beantworten und es war schwerer ins Gespräch zu kommen. Auf der
anderen Seite brachte nun die Neugierde die Leute dazu, ins Zelt zu schauen
und ich habe schon mehrfach festgestellt, dass eine Person direkt vor einem Ort
viel zu oft abschreckend wirkt. Aber ob es jetzt gut war oder nicht, so hatte
ich doch schöne Begegnungen.

Die nächste Lesung war mit vielen Erwachsenen Frauen. Da sie alle ein bisschen
sehnsuchtsvoll wirkten, fiel meine Wahl auf "Das Spiegelmädchen" und auch hier
hatte ich den Eindruck, dass es gut ankam.
Das nächste Märchen war "Der zauberhafte Silbersee" und das Zelt war zum Bersten
gefüllt mit Kindern und Erwachsenen. Das war ein schönes Gefühl.

Nun war ich mit meinen Lesungsterminen durch. Aber als eine Mutter mit ihrer
Tochter ins Zelt kam, las ich noch "Die schlaflose Prinzessin" und es war
wie für die beiden gemacht. Es war so offensichtlich, die Mutter ihr Kind liebt
und sie schmuste ihre Kleine, so wie es in der Geschichte vorkam.

Nun war es schon spät, dunkel und nicht weniger verregnet. Trotzdem fand
sich noch eine Gruppe in meinem Zelt ein. Nur Erwachsene. Es war wunderbar!
Ich liebe es zweifelsohne, Kindern meine Märchen vorzulesen. Aber wenn ich
Erwachsenen vorlese, die sich auf einer ganz anderen Ebene mit meinen
Geschichten und der dahinterstehenden Symbolik befassen können, ist es einfach
noch mal ein ganz anderes Erlebnis. Nicht besser oder schlechter, anders.
Und wunderschön.
Meine Geschichten sind und bleiben halt Erwachsenenmärchen. Kinder finden auch
Zugang und können es sehr genießen. Aber jedes Mal, wenn jemand bei mir vorbei
kommt und meint "Ah, Märchen. Da werden sich die Kinder freuen", macht mich das
etwas traurig. Das Label "Märchen sind für Kinder" schadet meiner Meinung nach
allen. Um so schöner ist es, Erwachsenen zu begegnen, die sich
ohne zu zögern auf Märchen einlassen können und sich davon tief berühren lassen.
Das sind für mich sehr wertvolle Begegnungen.

Eine meiner intensivsten Begegnungen an diesem Tag war tatsächlich auch mit
einer erwachsenen Frau, die sich einlassen konnte. Als das Fest eigentlich
schon zu Ende war, entwickelte sich ein Gespräch und sie erwähnte den
starken, klaren Blick ihrer Großmutter. Da folgte ich meinem Impuls
und zeigte ihr "Der Mann mit den stahlblauen Augen".
Ich nutze bei meinen Märchen oft eigene Erfahrungen und Erlebnisse und
Momente des Wunderns. Aber dieses Märchen ist als Einziges eines, das recht
biographisch ist. Nicht für mich, sondern von meinem Großvater.
Es ist die Geschichte seines Lebens, die er während seiner Lebzeiten recht oft
erzählt hat. Eine faszinierende Geschichte von Stärke, Liebe und
Unerschütterlichkeit. So wie auch ein paar andere Märchen, die sich
sehr in die mögliche Schwere des Lebens lehnen und nicht standardmäßig
glücklich enden, halte ich dieses Märchen auf Märkten eher unter Verschluss,
bis ich Leuten begegne, bei denen ich den Eindruck habe, sie können damit
umgehen, dass ich dieses Märchen mit ihnen assoziiere. Das nicht nicht immer
gut. Aber wenn es passt, dann ist es ein wunderschöner Moment von Sichtbarkeit
und Verständnis. Als ich mich auf dem Mistelfest traute, war es so ein Moment.
Und ich denke, dass das eine der kostbarsten Begegnungen heute war.

Auf der anderen Seite waren die Begegnungen heute alle sehr schön und auch
sehr unterschiedlich. Die Zuhörer waren immer ganz unterschiedlich aber stets
zugänglich und wertschätzend. Es war wieder ein sehr schöner Tag und ich bin
froh, dass ich dort war - trotz des regnerischen Wetters ;-)

Impressionen:

    

Messe Kassel

Dieses Märchen ist keine wirkliche Auftragsarbeit. Vielmehr eine Hommage an meine Zeit auf der „Herbstausstellung Märchenzauber“ der Messe Kassel, wo ich als Märchenerzählerin gebucht war und eine sehr schöne Zeit hatte. Ich traf faszinierende Leute und beeindruckende Künstler. Und so entstand ein Märchen, in dem (fast) alle Künstler einen Gastauftritt haben: Mia Shinda als die Glückskatze, Die Maus Cassiopeia von „Magalies Mäuseroulette„, „Incanto Erlebniskunst eK“ als der Waldgeist, Holger Schäfer als der Minnesänger, Fabian Regenbogen als der Zauberer, Walerij Bastron als der Maler und Marie Bär als die Geschichtenerzählerin.


Die Geschichte der ersten Katze

Zu einer Zeit, als es noch keine Katzen gab, kam aus einem fernen Land die erste Katze zu uns. Ihr Fell war seidig schwarz und ihr Näschen trug einen großen, weißen Stern, der sich über ihr Kinn und die Wangen ausbreitete. Auch ihre Augen waren von einem weißen Streifen umgeben und funkelten mit einer lustigen Neugierde. Sie hörte auf den Namen Kimarna und sprach in einer Sprache, die wir hierzulande nicht verstanden. Dadurch war es ihr unmöglich, den Wesen, denen sie begegnete, ihre Geschichte zu erzählen.

Und doch ist diese Geschichte erzählenswert. Denn wisset, diese kleine schwarze Katze aus den fernen Landen ist eine Glückskatze. So, wie es seither alle Katzen sind. Sie war aus ihrer Heimat gekommen, um uns wahres Glück hier her zu bringen. Weil die hiesigen Wesen aber keine Katzen kannten, schreckte sie es, wenn sie Kimarna begegneten und sie gingen ihr aus dem Weg. Kimarna jedoch hatte nichts als den Wunsch, die Welt kennen zu lernen und uns ein damals nie gekanntes Glück zu zeigen.

Einsam und von der Welt abgelehnt rastete Kimarna eines Tages traurig unter einer mächtigen Linde. Sie seufzte tief und überlegte, ob sie doch zurückkehren sollte, in die Welt aus der sie kam. Da hörte sie plötzlich ein leises Piepsen neben sich. „Warum weinst du?“, fragte die unbekannte Stimme. Kimarna schaute sich verwundert um, aber sie sah niemanden. „Wer ist da?“, fragte sie. Doch dann fiel ihr wieder ein, dass sie hier niemand verstehen konnte und sie sackte traurig in sich zusammen.

Da tauchte eine kleine Maus vor ihr auf und streckte ihr neugierig das Näschen entgegen. „Ich bin Cassiopeia“, piepste die Maus. „Und wer bist du? Oder sollte ich lieber fragen, was du bist?“ Kimarna schaute erstaunt auf die Maus vor ihr. „Du kannst mich verstehen?“, fragte sie ungläubig und die Maus nickte. „Natürlich kann ich das. Und jetzt wüsste ich gerne meine Fragen beantwortet: Wer und was bist du?“ Kimarna erzählte nun ihre Geschichte. Cassiopeia nickte. „So sei uns hier willkommen, Katze Kimarna aus den fernen Landen.“ Kimarna lächelte dankbar. Dann zögerte sie. „Nun sag mir aber, wie es kommt, dass du mich verstehen kannst? Und warum hast du keine Angst vor mir, wie all die anderen?“ Die Maus winkte ab. „Ich habe in meinem Leben schon gar viel gesehen und weiß, dass nicht alles so ist, wie es zu sein scheint. Denn wisse, ich war nicht immer eine Maus. Ich war dereinst eine mächtige Zauberin. Durch ein Ungeschick habe ich mich selbst in eine Maus verzaubert und komme nun nicht mehr zurück in meine wahre Gestalt. Daher bin ich auf der Suche nach einem mächtigen Magiewesen, das mir helfen kann, meine alte Form zurück zu erlangen.“ Da lächelte Kimarna und sprach: „So will ich dir dabei helfen.“

Cassiopeia, die Maus, schaute verwundert. „Wie willst du mir helfen? Hast du selbst Magie? Oder ist dir ein mächtiges Magiewesen bekannt?“ Kimarna schüttelte den Kopf. „Nichts davon. Aber ich bringe Glück. Wenn du es gut mit mir meinst und mich recht berührst, so werden Geschicke in Gang gesetzt, die dir einen Wunsch erfüllen können.“ Da schmiegte sich Cassiopeia so an Kimarnas Samtpfote, dass diese zu Schnurren begann und sprach einen Wunsch.

Da kam ein Wind auf, der die Blätter des Waldes rascheln ließ. Aus diesem Wind formte sich eine mystische Gestalt, in Moss und grüne Stoffe gehüllt und mit langem, rotbraunem Haar. Diese sanfte, würdevolle Gestalt sprach mit dem Flüstern des Windes: „ich bin der Geist des Waldes. Wer ruft mich?“ Kimarna und Cassiopeia schwiegen überwältigt. Schließlich aber sprach Cassiopeia: „Ich bin die Hexe Cassiopeia und suche ein Zauberwesen, das mir helfen kann, meine wahre Gestalt zurück zu erlangen.“ – „Dieses Zauberwesen bin ich nicht“, antwortete der Wind. „Doch ich kann euch zu dem Zauberer bringen. Springt auf.“ Da beugte sich der Waldgeist hinab und nahm die Katze und die Maus auf ihre Schultern. Dann wuchs sie empor, dass sie fast bis zu den Wipfeln der höchsten Bäume reichte und durchquerte mit großen Schritten das Land. Schließlich kamen sie an den Rand einer Stadt. Da ließ der Waldgeist seine Begleiter hinab und wies auf die Stadt. Als der Waldgeist den Kuss zum Abschied von den Fingern hauchte, löste sich ihre Gestalt wieder auf und ward wieder zu dem mystischen Wind, der die Welt belebt.

Kimarna, die Katze, und Cassiopeia, die Maus, machten sich auf den Weg in die Stadt. Sie huschten durch die schmalen Gassen. Da blieb Kimarna plötzlich bewegungslos stehen. Ihr Näschen zuckte und ihre Ohren suchten woher wohl diese traumhaften Klänge kämen, die sie soeben vernommen hatte. Cassiopeia jedoch hatte nichts gehört und war achtlos weitergelaufen.

Ganz vorsichtig schlich Kimarna den lieblichen Melodien entgegen. Schließlich stand sie in der Stube eines Minnesängers. Er war in sein Harfenspiel vertieft und bemerkte den Besucher nicht. Kimarna aber war gerührt. Noch nie hatte sie derartiges Gehört. Da legte sie sich auf den Saum des Mantels, den der Minnesänger umgelegt hatte, rollte sich zusammen und begann zu schnurren. Der Minnesänger bemerkte es zunächst nicht recht, doch sein Spiel nahm neue Melodien an, die gar gut zu dem Schnurren passten. Dann zögerte er. Die Klänge verstummten. Kimarna hörte auf zu Schnurren. Der Minnesänger schaute sich um und entdeckte die Katze auf seinem Mantel. Kimarna schaute ihrerseits zu ihm hoch. Und so schauten sie sich erstmal eine Weile an. Dann fragte der Minnesänger: „Hast du dieses wundersam schöne Geräusch gemacht?“ Kimarna bejahte dies und es klang dem Mann wie ein Maunzen. Erstaunt zog er die Brauen hoch. Dieses wundersame Wesen schien ihm wie pure Melodie. Vorsichtig bot er ihr seine Hand. Sie schnupperte und roch nichts als Wohlwollen. Da stupste sie seine Hand mit der Nase an und der Hafenspieler nahm Kimarna auf seinen Schoß, um sie zu streicheln, sodass sie wieder zu Schnurren begann.

So saßen sie eine Weile, bis Cassiopeia ihre Nase in die Stube hinein streckte. Kimarna schreckte auf und die beiden begannen ein inniges Gespräch, das für den Minnesänger fast wie ein Streit aussah. Dann blickten sie ihn beide an und versuchten, ihre Geschichten zu erzählen. Doch der Minnesänger konnte sie nicht verstehen. Da seufzte er. Und während er Kimarnas schnurrenden Rücken streichelte, sprach er: „Ich wünschte, ich könnte euch verstehen!“ Da kam ihm eine gute Idee: „Ich weiß“, rief er. „Lasst uns zum Zauberer gehen! Der wird uns sicherlich helfen können!“ Und so machten sie sich auf zum Zauberer der Stadt.

Dieser lebte in einem Zirkuszelt und trug einen hohen, blauen Hut. Der Minnesänger zeigte dem Zauberer die Katze und sprach: „Sieh, welch seltsames Geschöpf mich gefunden hat. Ich wüsste nur zu gern ihre Geschichte. Kannst du nicht einen Zauber sprechen, dass wir sie verstehen?“ Der Zauberer aber schüttelte den Kopf. „Ich bin der Magie zwar mächtig, doch ich kann nur verzaubern, was bereits magisch ist.“ Da sprang Cassiopeia, die Maus hervor und bat den Zauberer um Hilfe. Da schaute der Zauberer ganz erstaunt auf die Maus, zeigte auf sie und sprach: „Dich kann ich verstehen!“

Da erzählte Cassiopeia, was sie wusste und auch, was sie selbst wünschte. Der Zauberer hörte geduldig zu. Schließlich sprach er: „Der Magier, den du suchst, bin ich nicht. Doch ich weiß dir zu helfen. Ich werde dir einen Zauber geben, der es dir ermöglichen wird, mit dem einen Menschen zu sprechen, den du suchst.“ Mit diesen Worten band der Zauberer der Maus Cassiopeia ein Maiskorn um. Wenn dieses Maiskorn seine Form veränderte, würde der nahe Mensch Cassiopeia verstehen.

Dann wandte sich der Zauberer an den Minnesänger: „Wenn dich die Geschichte des Katzenwesens wahrlich interessiert, so musst du gehen, um die Geschichtserzählerin zu finden.“

So machten sich der Minnesänger, Cassiopeia und Kirmarna auf den Weg. Sie zogen von Dorf zu Dorf. Doch sie fanden weder die Geschichtserzählerin, noch jene Person, mit der Cassiopeia sprechen konnte. Wen sie jedoch trafen, war ein Maler. Er lebte in einer Hütte, die tief im Wald lag und malte prachtvolle Bilder von Hirschen und Mythengestalten. Da er der Kunst, den Träumen und dem Ungreifbaren recht nah war, fand er schnell Gefallen an der ungleichen Gruppe und lud sie ein, bei ihm zu Rasten. Des Abends dann saßen sie im trauten Gespräch beisammen. Der Maler war ganz angetan von Kimarna und lockte sie zu sich. Schnurrend strich sie ihm um die Beine. Der Maler war entzückt und streichelte sie bewundernd über den Rücken. „Wie anmutig du bist. Mit Fell wie Samt und Seide zugleich. So etwas Wunderbares wie dich habe ich meinen Lebtag noch nicht gesehen. Ach, wenn es nur mehr Wesen wie dich gäbe. Was wäre das eine Bereicherung für die Welt.“

Da erwachte in den Schatten der Welt das schnurrende Miauen der Katzen. Sie sollten bald den Platz bei den Menschen einnehmen und mit bewundernder Zuneigung verwöhnt werden. Mit ihrem Schnurren, ihrer Eleganz und ihrer bloßen Anwesenheit würden sie die Welt bereichern. Kimarna, Cassiopeia und der Minnesänger jedoch wussten nichts davon.

Als sie am nächsten Morgen aufbrechen wollten, sagte der Minnesänger, dass er noch eine Zeit bei dem Maler bleiben würde, um den künstlerischen Austausch zu genießen. Ihre Künste könnten voneinander wohl profitieren. Beim Abschied bat er Kimarna, die Katze, dass sie ihren Weg fort führen würde, um die Geschichtenerzählerin zu finden. So dass die Welt eines Tages erfahren würde, was Kimarna noch nicht zu sagen vermochte.

So setzten Kimarna und Cassiopeia ihre Reise fort. Bald aber kamen sie an eine Weggabelung. Kimarna und Cassiopeia schauten sich lange an. Schließlich aber entschlossen sie sich schweren Herzens, sich zu trennen.

Cassiopeia reiste gegen Norden. Eines Tages begegnete sie im Wald einer seltsamen Frau. Sie saß auf einer Lichtung und teilte mit einigen Mäusen ihr Brot. Dabei erzählte sie und lachte und ging auf die einzelnen Mäuse ein, die es bei ihr gut zu haben schienen. Cassiopeia fühlte sich von diesem friedlichen Bild angezogen, doch nährte sich nur ganz vorsichtig. Schrittlein für Schrittlein nährte sie sich der Frau mit zitterndem Näschen, als es plötzlich laut ploppte. Cassiopeia erschreckte sich fürchterlich und sowohl die Frau als auch all ihre Mäuse blickten sie an. Das Maiskorn nun weiß erblüht und Cassiopeia hatte durch ihre eigene Magie und die des Zauberers die Fähigkeit erhalten, sowohl mit den Mäusen als auch mit der Mäusefängerin zu reden. Da erzählte sie ihnen ihre Geschichte. Die Mäusefängerin erklärte sich gerne bereit, Cassiopeia bei ihrer Suche nach einem magischen Wesen zu helfen, sodass sie ihre menschliche Gestalt zurückerhalten würde. So wurde Cassiopeia liebevoll aufgenommen und

reiste mit dieser kleinen Familie umher. Die Mäusefängerin erfreute die Leute mit einem fahrenden Mäuseroulette, von dem Cassiopeia nun ein Teil sein würde. So erhielt Cassiopeia ein warmes Nest, spannende Begegnungen und viele Mäusegeschwister. Und nach einer Zeit war sich Cassiopeia gar nicht mehr so sicher, ob sie wirklich wieder ein Mensch werden wollte. Denn in diesem Leben war sie nun glücklich.

Kimarna wanderte derweil nach Süden. Sie vermisste ihre Freundin Cassiopeia, die Maus. Denn ohne sie gab es niemanden mehr, der sie verstehen konnte. Bald aber begegneten ihr auf ihrem Weg Katzen, die von dem Wunsch des Malers ins Leben gerufen worden waren. Und sie sah die Veränderung in den Menschen. Sie sah, dass die Menschen durch das Schnurren der Katzen nunmehr verstanden hatten, welches Glück sie der Welt zeigen wollte. Das freute Kimarna und sie war zufrieden. So gab sie die Suche nach der Geschichtenerzählerin auf. Stattdessen fand sie am Rande der Wüste den Emir Kadir, der sich ihrer annahm. Er kleidete sie in dunkelroten Damast und schmückte sie mit wertvollen Ornamenten aus Gold. Schließlich lehrte er sie das Sprechen in unserer Sprache. Kimarna begann, auf den Hinterpfoten zu gehen. Und bei jedem Schritt füllten ihre Glöckchen und die Goldketten ihre Umgebung mit zärtlichen Klirren. Kimarna genoss den Wohlstand und die Hingabe, mit der Kadir sie überschüttete. Und sie entschied sich, an seiner Seite zu bleiben.

So verbrachten Kimarna und Cassiopeia jeder für sich ein gutes Leben. Sie fragten sich oft, wie es wohl ihrer Freundin ergangen war. Doch sie hatten keine Hoffnung, einander je wieder zu sehen. Das Schicksal aber hatte andere Pläne. All die Wege, die sich dereinst getrennt hatten, führten sich eines Tages auf einem großen Fest zusammen. Kimarna war mit ihrem Kadir die lange Reise angetreten, um das Fest der Geschichten zu begehen. Und Cassandra kam mit ihrer Mäusefängerin. Der Maler, der Zauberer und auch der Minnesänger. Sie alle führten ihre Schritte unabhängig voneinander zu diesem großen Fest. Auch der Waldgeist huschte durch die Hallen. Und endlich sahen Kimarna und Cassiopeia sich wieder. Sie begrüßten sich und erzählten, wie es ihnen ergangen war. Und dann fiel ihr Blick auf ein großes, in rote Tücher gehülltes Zelt, das auf dem Fest stand.

Bedächtig traten sie ein in dieses Zelt. Kimarna Herz tat einen Hüpfer und sie wusste, dass sie nun der Geschichtenerzählerin gegenüberstand. Sie setzten sich zu ihr und Kimarna erzählte ihre Geschichte. Eine Geschichte über Freundschaft und Akzeptanz. Eine Geschichte über Wünsche und Talente. Eine Geschichte über einzigartige Wesen und ihrer Suche nach dem Weg, ihre jeweiligen Einzigartigkeiten einzubringen. Eine Geschichte, die die Geschichtenerzählerin von nun an in ihrem Herzen bewahren würde, um sie in die Welt hinaus zu tragen.

„Lichtboxen“

Ein Freund von mir verfügt über einen 3D-Drucker und hat sich damit verschiedene Lichtboxen gemacht. Dies inspirierte mich dazu, eigene Lichtboxen zu entwerfen.


Die erste Lichtbox, die ich entworfen habe, bezieht sich auf unsere Endzeit-Larpgruppe der „Schwingen des Stahls“, für die ich ja schon das eine oder andere entworfen habe. Für das Bild habe ich ein professionelles Bild von Boris Leist von 2015 als Basis genommen. Dann habe ich verschiedene Fotos von Gruppenmitgliedern genommen, und habe sie komponiert, sodass ein stimmiges Gesamtbild entstand. Dann habe ich das Bild in Ebenen geteilt, sodass durch die Beleuchtung von Hinten ein Tiefeeffekt entstehen kann.

Tatsächlich bin ich sehr zufrieden mit dem fertigen Ergebnis. Auch, wenn viele der digitalen Details nicht mehr sichtbar sind.

      


Meine zweite Lichtbox war für meinen Schwager. Es ist das gleiche Motiv wie bei dem Bleichshirt, das ich 2022 für ihn gemacht habe. Nur ist es durch die verschiedenen Lagen an Pflanzen und Bergen etwas komplexer und tiefer geworden.